Das war das WOA 08

Es war wieder soweit: Das größte Metal-Festival der Welt ging in die 19. Runde… Wacken Open Air 2008.
In diesem Jahr meinte es der Wettergott Petrus besonders gut mit den Metalheads und ließ die Sonne fast immer kräftig auf das Gelände scheinen. Zur guten Laune der Besucher trug aber nicht nur das Wetter, sondern auch die wie immer vorbildliche Planung bei. Für dieses Jahr wurde das komplette Festivalgelände drainiert und so, für den Fall der Fälle, wetterfest gemacht. Sanitäranlagen waren zahlreich vorhanden, es wurden mehrere neue Eingänge gebildet und auch das Chaos bei der Anfahrt blieb in diesem Jahr weitgehend aus. Auf dem Gelände selbst fielen sofort die neuen Videoleinwände, sowie der neu ausgerichtete FOH-Turm auf, wodurch ein besserer Blick auf die Bühnen ermöglicht wurde. Ganz besonders loben muss man den Veranstalter an dieser Stelle für die Einrichtung einer Behindertentribühne. Auch dieses Jahr ist im Vorfeld wieder alles richtig gemacht worden, um das Festivalwochenende zum Erfolg zu führen.
Donnerstag:
Los ging es um 16:00 Uhr. Mustasch war ein gewaltiger und energievoller Opener auf der Party-Stage, der seinesgleichen suchte. Mit ihrem kompromisslosen Power-Metal begeisterten sie von Anfang an die Massen, die für diese Uhrzeit schon mächtig mitbangten. Ihr gerade erschienenes Album „Lowlife Highlights“ ist eine großartige Scheibe, die eine Bereicherung für jede CD-Sammlung ist.
Mit einem traditionellen Intro starteten die chinesischen Metal Battle-Gewinner Voodoo Kungfu ihre außergewöhnliche Show. Das Interesse war im Verhältnis zu den anderen Contestteilnehmern relativ groß und so war auch das Zelt gut zur Hälfte gefüllt. Was nun kam ist schwer zu beschreiben. Mandoline trifft auf E-Gitarre, der Sänger mit Kimono und Gitarrist mit blutverschmiertem weißem Gewand. Der visuelle Aspekt war mindestens genauso wichtig und nett anzusehen, wie die Musik selbst. Eine progressive Variante von Sepulturas Roots-Album könnte vielleicht ein kleiner Anhaltspunkt sein. Das Publikum selbst schien überrascht, teilweise überfordert und dem einen oder anderen zog es ein dezentes Lächeln aufs Gesicht, wenngleich die Chinesen einen sehr guten Auftritt hinlegten und ihre Zeit gut nutzten. Vielleicht war die Musik doch etwas zu wenig im Vordergrund.
AIRBOURNE. Was die Jungs vom Stapel lassen, ist wirklich reif für die Hauptbühne. Vom einfach genialen Posing über die perfekte Bühnennutzung (von wegen hin- und herlaufen und so was) sowie kleine Überraschungen wie eine Klettertour auf die Bühnenspitze samt oben abgefeiertem Gitarrensolo - so schnell macht das den Australiern keiner mehr nach. Die Begeisterung des Publikums ist dementsprechend, wartet man ja nicht nur seit acht Jahren auf ein neues Studioalbum der großen Vorbilder AC/DC, sondern ist auch wegen der lahmen Show von Ms. Harris regelrecht ausgehungert. Stücke wie die Single ‘Too Much, Too Young, Too Fast’ oder der stampfende Nackenbrecher ‘Girls In Black’ bringen auch den letzten Metaller ins Schwitzen. Dazu noch perfekter Sound und gute Laune auf der Bühne.
Zu den wiederkehrenden Attraktionen des Wacken-Festivals zählen die W:O:A FIREFIGHTERS und MAMBO KURT, der König der Heimorgel. Beide waren auch in diesem Jahr am Donnerstag die Stars des Biergartens. Auf den Tischen vor der kleinen Bühne dort tanzen die Metalfans ausgelassen und mit viel, viel Bier inner Krone. Besonders MAMBO KURT begeistert mit seinem Minimalsound und seinen Rock-Klassikern, das Feuerwehr-Orchester lässt dagegen das “Schleswig Holstein”-Lied erklingen, was so wohl kaum einer der Fans freiwillig hören würde, wäre er nicht in Wacken.
ALESTORM sind die schottische Antwort auf die Studenteninitiative “zur Ansiedlung von Piraten in heimischen Gewässern”, die als “einzige Ursache für die globale Erwärmung, Orkane und alle anderen Naturkatastrophen (…) die sinkende Zahl von Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts” sieht. Mit Songs wie ‘Over The Seas’ und ‘Huntmaster’ stürzen sich die Freibeuter der Meere gemeinsam mit dem schunkelnden und singenden Publikum in Meere aus Crowdsurfern und Headbangern, vorbei an empor gerissenen Bierbechern immer in Richtung Tortuga, wo ‘Nancy, The Tavern Maid’ schon sehnsüchtig ihre Brüste seift und auf ‘Captain Morgan’s Revenge’ wartet. ALESTORM bieten ein metallisches Piratenspektakel bei dem eine Keytar auch schon einmal wie ein extrem schnelles Akkordeon klingen darf und das gemeine Fußvolk Beine und Arme gleichermaßen in die Luft werfen kann, um bei weiteren Songs wie ‘Set Sail To Conquer’ und ‘Wenches And Mead’ dem Namen der W.E.T. Stage bei karibischen Temperaturen alle Ehre zu machen.
IRON MAIDEN - die eiserne Jungfrau ist in Wacken 2008! Und dementsprechend euphorisch wird die Band von zehntausenden Fans am ersten Abend auf der True Metal Stage begrüßt. Etwas gewöhnungsbedürftig zu Beginn ist die “Waldhose Of Army” von Vegetarier Bruce Dickinson. Mit seinen “Scream for me Wacken!”-Rufen und dem ersten Song ‘Two Minutes To Midnight’ wird die Menge gleich richtig warm. Die Begeisterung kennt keine Grenzen und “… goes all the way to Hamburg”. Bruce heizt den Fans weiter ein. So werden “Mexican Waves” laolahaft ausgeführt, münden in den Meilensteinen ‘Wasted Years’ und ‘The Number Of The Beast’. Dazu zelebriert Janick Gers seinen legendären Armpropeller an der Gitarre. Für Abwechslung sorgen auch die wechselnden Bühnenbilder mit Eddie und die Kostüme von Bruce. Nach ‘Can I Play With Madness’ und ‘The Rime Of The Ancient Mariner’ präsentiert sich Drummer Nicko McBrain mit Radlerhose. Einige Fans dürfen sogar zu ‘Heaven Can Wait’ auf der Bühne herumspringen. Das kann Eddie bei ‘Iron Maiden’ aber noch toppen.
Bevor IRON MAIDEN zur Zugabe ausholen, präsentiert sich Bruce wiederholt von seiner charmanten Seite. Ach ja, und ein IRON MAIDEN-Konzert könnte mit ‘The Clairvoyant’ nicht schöner enden. IRON MAIDEN kennen kein Alter und haben es mal wieder geschafft, energiegeladenen Heavy Metal auch energiegeladen über zwei Stunden hinzulegen. Das Konzert hätte in dieser Form auch zwanzig Jahre früher stattfinden können.
Freitag:
Auch Thomas Youngblood und seine Mannen sind auf den hiesigen Festivalwiesen definitiv rare Gäste, weshalb der heutige Gig schon exklusiv ist. Dementsprechend ernst nimmt die KAMELOT-Mannschaft ihren Auftritt auch und fährt insbesondere in Sachen Bühnenkulisse so manch optisches Schmankerl auf. Allerdings wirkt die Performance heuer ein wenig zu theatralisch und gerade für das Festival-Publikum nicht gerade stimmungsreich. KAMELOT fahren sämtlichen Bombast auf und inszenieren die Theatralik ihrer Musik im wahrsten Sinne, wodurch aber ein gewisses Maß an Publikumsnähe verloren geht. Roy Khan, der zudem die meiste Zeit auf den Knien verbringt, bemüht sich zwar so manches Mal, die Menge in den Griff zu bekommen, doch wirkt vieles heute sehr aufgesetzt und routiniert. An der musikalischen Klasse des Gigs gibt es aber nichts auszusetzen, bis vielleicht auf die Tatsache, dass man ’Nights Of Arabia’ ausgespart hat. Dafür gibt’s mit ’Karma’ aber entsprechenden Ersatz für die zufriedene, letzten Endes aber nicht völlig begeisterte Menge.
Anschließend gibt es eine Portion SOILWORK auf die Ohren. ’Speed’ Strid und seine Kollegen aus Helsingborg gehören mittlerweile schon zum Festival-Inventar. Im steten Zwei-Jahres-Takt gibt es ein Wiedersehen auf den Feldern zu Wacken, und dennoch ist das Verlangen nach den Jungs immer noch riesig groß. Die Band nimmt es gelassen und spult ihr übliches Festival-Programm ab, das sich aus dem Gros des “Natural Born Chaos“-Repertoires sowie einzelnen Nummern der beiden letzten Alben zusammensetzt. Und wie programmiert hüpft, singt und mosht die Menge vor der Bühne mit größter Begeisterung, als würde die Band hier ihr Debüt ablegen. Aber wen wundert’s; Nummern wie ’As I Speak’ und ’Stabbing The Drama’ sind nun mal echte Granaten, und wenn sie dann auch noch einen solch fetten Sound bekommen, kann nichts mehr schiefgehen. Danke also für den starken Gig und ein Wiedersehen in zwei Jahren!
Wenn man mit Erik von NIFELHEIM zusammen bei DESTRUCTOR in der ersten Reihe vor der W.E.T. Stage abbangen kann, dann ist das ein Highlight der besonderen Güteklasse. Güteklasse D wie destruktiv. Aber hallo! DESTRUCTOR wissen, wo der Thrash-Metal-Hammer hängt, und so bieten die vier Mannen aus Cleveland, Ohio einen fabulösen Auftritt mit Krachern wie ‘Iron Curtain’, ‘Bring Down The Hammer’ oder ‘Storm Of Steel’ und werden im Zelt gebührend gefeiert. Und so ist es nicht verwunderlich, dass mir Erik alias Tyrant von NIFELHEIM gesteht, maßgeblich in ihren eigenen Anfängen von DESTRUCTOR beeinflusst worden zu sein. Ein Schmankerl à la “Headbangers against Disco” haben DESTRUCTOR zum Abschluss noch parat: Ein Keyboard wird höchst feierlich auf der Bühne zerkloppt. DESTRUCTOR - der Name ist Programm!
Als besondere Überraschung erlebten die Besucher der W.E.T. Stage nach DESTRUCTOR einen etwas ungewöhnlichen Auftritt eines jungen Mannes der um die Hand seiner liebsten anhielt.
Wir wünschen beiden viel Glück in der Ehe
Die finnische Power-Metal-Band SONATA ARCTICA um Sänger Tony Kakko schlägt nun einen etwas ruhigeren Ton an, was auf Außenstehende vielleicht etwas langweilig wirkt. Dennoch geben sie eine klanglich gut abgestimmte Performance ab. Absolutes Highlight ist der Song ‘Don’t Say A Word‘, welcher sofort ins Ohr geht. Letztendlich lässt sich allerdings sagen, dass der Auftritt etwas druckvoller hätte sein können.
Und endlich sind sie nun wieder da: CHILDREN OF BODOM. Ihre Premiere auf dem Wacken hatten die Finnen um Frontmann Alexi Laiho 1998, damals noch auf der Bühne im Zelt, seitdem sind sie regelmäßig zu Gast auf dem Festival. Sie eröffnen druckvoll, allerdings ungewohnt nervös. Der Sound ist gerade am Anfang noch etwas breiig und dröhnend. Es steht ein zitternder Alexi Laiho mit seiner pinken Gitarre auf der Bühne, aber er und seine Männer sind routiniert genug, um die Sache zu reißen, so etwas macht das Live-Erlebnis auf einem Festival auch aus. Sie können rocken und das Publikum sowieso. Die Menge ist begeistert und feuert die fünf Finnen frenetisch an.
CHILDREN OF BODOM spielen ein Set, das keinen Schwerpunkt auf ein Album legt, so ist für jeden was dabei, für den Liebhaber der ersten Stunde sowie für die neueren Fans. Es gibt unter anderem das großartige ‘Lake Bodom’, ein leider verkorkstes ‘Follow The Reaper’ sowie die Songs ‘Banned From Heaven’, ‘In Your Face’, ‘Mask Of Sanity’ oder auch ‘Blooddrunk’ zu hören. Ja, sie spielen “fuckin’ Heavy Metal”. Na ja, fast, es gibt eine kleine Einlage, die eher nach R ‘n’ B klingt, nämlich ‘Umbrella’ von RHIANNA, gefolgt von VAN HALENs abgedroschener Hymne ‘Jump’, aber glücklicherweise erklingt die nur kurz. Sie haben also Humor. Bassist Henkka hat sehr zur Freude der weiblichen Fans in den ersten Reihen sein T-Shirt ausgezogen, und Keyboarder Janne spielt so gekonnt wie virtuos. Die Lichtshow ist bombastisch und hell, so untermalt sie eindrucksvoll die Performance der Musiker. Bei ‘Hate Crew Deathroll’ geben sie noch mal alles, das Publikum nimmt es dankend an und brüllt nach Leibeskräften mit. Schade, dass es so schnell vorbeigegangen ist. Ein gelungenes Konzert, bei dem die Band ihre Headliner-Position mehr als rechtfertigt.
Für ein Heavy-Metal-Festival ungewöhnliche Klänge gibt es nun von CORVUS CORAX, die als oder mit Cantus Buranus II auftreten, der zweiten Auflage der Neuvertonung der Carmina Burana. Sie sind mit einem großen Orchester nebst Chor und Diva angereist. Eins ist klar: Sie sind und bleiben die Könige der Spielleute. Teufel begrüßt das Publikum mit den Worten “Lasst uns durchdrehen”, und genau das passiert in der nächsten reichlichen Stunde. Die Spielmänner haben eine stimmige Choreografie entworfen, und auch die Kostüme sind einfach nur perfekt. Alles in allem eine runde Sache. Der Sound klingt glasklar und ausgewogen. Das jüngste Mitglied Jordon hat sich gut eingegliedert und ist für die Band ein echter Gewinn. Zum Abschluss gibt es ein großes Feuerwerk - und auch hier ist die Show viel zu schnell vorbei.
AVANTASIA live - auf dieser Ereignis haben die Anhänger der Melodic-Metal-Oper seit Jahren warten müssen, und da Sprachrohr und Initiator Tobias Sammet eigentlich schon angekündigt hatte, er würde seine Werke angesichts des hohen Aufwands nicht auf die Bühne bringen, war dieses Kapitel eigentlich schon abgeschlossen. Vorerst. Im letzten Jahr folgte dann aber die Kehrtwende. Der EDGUY-Frontmann kündigte ein drittes Album und im Zuge dessen auch einige Live-Shows an. Selbstredend, dass der Wacken-Acker auch in das livehaftige AVANTASIA-Feeling kommen sollte. Und Sammet und seine Mannen, darunter auch Produzent Sascha Paeth und EDGUY-Trommler Felix Bohnke, legen los wie die Feuerwehr und inszenieren in den folgenden neunzig Minuten eine wahrhaft denkwürdige Show. Mit einem bunten Querschnitt aller drei Alben, dabei wünschenswerterweise auch reichlich Debüt-Material, füllt er sein Set zur Zufriedenheit aller, spart sich überdies aber auch die sonst so prall gefüllten Ansagen-Parts. Heute soll die Musik sprechen, und das tut sie auch in ansprechendem, opulentem Soundgewand sowie im Rahmen einer professionell ausgearbeiteten, dem Status des Projekts würdigen Show.
Wie versprochen, präsentiert Sammet auch einige Gaststars, darunter Ex-ANGRA-Frontmann André Matos und MAGNUM-Stimme Bob Catley. Erwartungsgemäß übernimmt auch Jorn Lande einen Teil der Gesänge, muss jedoch zwei Songs lang lediglich für den Monitor singen, da sein Mikro keinen Mucks von sich gibt. Strange, zumal Jorn teils wie ein Derwisch über die Bühne fegt. Als auch dieses Problem beseite geschafft ist und Sammet die Bandhymne ‘Avantasia’ anstimmt, scheinen der Begeisterung keine Grenzen mehr gesetzt. Selbst der Sänger, der in den letzten Jahren schon einige Festivalbühnen als Headliner beehren durfte, kriegt sich beim frenetischen Jubel seiner Fans nicht mehr ein und scheint zum ersten Mal in seiner Bühnenlaufbahn sprachlos. Allerdings kann die Band zum Schluss trotzdem noch einmal einen draufsetzen und krönt ihren Auftritt in der Zugabe mit einem Gastauftritt von Gitarrenlegende Uli Jon Roth. Nach diesem fantastischen Gig sollte sich nun sicher niemand mehr wundern, wenn diese Inszenierung irgendwann noch einmal eine Fortsetzung finden wird. So abgedroschen dies klingen mag, aber bei der Begeisterung und einer solch souveränen Show wäre Tobi ziemlich naiv, das Projekt nicht mehr aufzuführen.
Samstag:
Ganz anders MERCENARY: Sie sind nach wie vor die Senkrechtstarter der Power-Metal-Szene und gehören weiterhin zu den fleißigsten Acts im gesamten Genre. Warum also nur die Party Stage? Antworten hierauf liefert die Show der innovativen Dänen nicht. Ganz im Gegenteil: Die Band zieht ihre stark angewachsene Fangemeinde mit den melodischen Songs von “The Hours That Remain“ und “Architect Of Lies“ in ihren Bann, traut sich auch an einige epischere Songs heran und genießt spürbar den gehörigen Zuspruch, den sie aus der Menge erfährt. Beifall gibt’s reichlich, und hinter vorgehaltener Hand schmunzelt man sogar über die qualitativen Differenzen zwischen MERCENARY und dem gleichzeitigen Gerumpel auf der Black Stage (HOLY MOSES). Aber derlei Politika verschwinden schließlich in der feinen Mischung aus kraftvollen NEVERMORE-Ingredienzien und dezenten Göteborg-Anleihen. Mit dem Verklingen einer souverän improvisierten Variante ihres “11 Dreams“-Übersongs ’Firesoul’ verabschieden sich MERCENARY am Ende nicht nur mit einer berauschenden musikalischen Performance, sondern auch mit dem ganz klaren Ziel, bei einer der kommenden Ausgaben auf der großen Bühne aufzutrumpfen.
um Gig von KRYPTERIA hat sich doch eine beachtliche Menge an Zuhörern eingefunden, obwohl gleichzeitig CARCASS alles niederwalzen. Mit ‘Sweet Revenge’ beginnt ein geiles Konzert, und die Besucher gehen von Beginn an mit. Nix da, von wegen “Erst mal sehen, was hier so passiert”. Frontfrau Ji-In legt mit ihren Mannen ein ordentliches Tempo an den Tag. Neben der Begrüßung gibt es nicht viel Gesprächsstoff zwischen den Songs zu verkünden. Das ist auch gut so, denn schließlich wollen wir alle der Musik lauschen. Das Album “Bloodangel’s Cry” wird ausgiebig beackert, wobei eher die schnellen Nummern vom Stapel gelassen werden. So reißt die ausgelassene Stimmung im Publikum nie ab, und die knappe Stunde Spielzeit vergeht wie im Fluge. Leider gibt es noch keinen musikalischen Vorgeschmack auf das neue Album, das Anfang 2009 erscheinen soll.
Jung, dynamisch und total war! WARBRINGER aus Kalifornien geben ihre Wacken-Premiere auf der W.E.T. Stage, und das mit einem Thrash-Metal-Inferno. WARBRINGER bolzen sich durch ihr Erstlingswerk “War Without End“ mit Songs wie ‘Total War’, ‘At The Crack Of Doom’ oder ‘Shoot To Kill’. Im Circle Pit ist die Hölle los. Voll auf die Fresse gibt auch John Kevill am Mikro mit seinen knackigen Ansagen. Nachdem sämtliche Schmidts Katzen abgegangen sind und das Zelt in seine Einzelteile zerlegt ist, bleibt mir nur als Fazit: endlich mal eine junge Thrash-Band, die ass kickt!
Noch einmal wird nun die W.E.T. Stage zerlegt. Dieses Mal sind WATAIN an der Reihe, die als Black-Metal-Band wieder hunderte Fans anziehen, wodurch ein Teil sogar nur von draußen zuhören kann - und zumindest den Schluss von NIGHTWISH ertragen muss, deren trällernde Nervmusik das “böse” Feeling von WATAIN gehörig zerstört. Als die finnische Shampoo-Metal-Institution allerdings endlich vorbei ist, können die schwedischen Satansbraten aufdrehen. Das ist nicht schwer: Songs wie ‘Satan’s Hunger’ gehören zum Besten, was die skandinavische Black-Metal-Szene derzeit bereithält. Beleuchtet von schummerigen Kerzen bereiten die schwarz-weiß geschminkten WATAIN-Musiker so ein wunderbares Massaker: kraftvoll, schnell, erfüllt von roher Kraft. Und noch etwas ist wichtig: Skandale wie erhobene rechte Arme bleiben aus. Denn trotz aller musikalischer Genialität stehen WATAIN immer noch unter Bewährung.
Wer auf klassischen Power Metal oder Hardrock steht, ist bei AXXIS an der Party Stage genau richtig. Die außergewöhnliche Stimme des Frontmannes Bernhard Weiß zeichnet die Musik mit aus und gibt ihr einen charakteristischen Klang. Mit ihrer Show zeigt das Quartett, was noch in ihren alten Knochen steckt. Dabei präsentieren sie einen bunten Mix ihrer Hits von 1989 bis 2007 und schließen die Show mit dem GARY DE CARLOS-Cover ‘Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye’ ab. Die Stimmung im Zuschauerraum wird auch durch das Wetter nicht getrübt, der Auftritt ist ein sehenswertes Ereignis.
Pünktlich mit dem einsetzenden Regen erstürmen die fünf Mutanten von LORDI die Bühne. Vermutlich sind doch Menschen hinter den aufwändigen Masken, aber das ist nur ein Gerücht. Die Arockalypse startet, und spätestens beim dritten Song ‘Who’s Your Daddy’ ist die Party in vollem Gange. Allein die Kostüme sind eine Augenweide. Eine spektakuläre Show nimmt ihren Lauf, und alles, was kann, versprüht Feuerwerk, wie die Drumsticks, die Streitaxt oder das Riesenzepter. Ein rauchender Totenkopf, ein Bündel mit Armen, Beinen und einem noch blutigen Kopf oder auch ein Eimer mit Blut und Fleisch (??) verschönern das Ganze noch optisch. Kleine Spielchen mit dem Publikum heizen die Stimmung weiter an. ‘Would You Love A Monsterman?’ beantworten die meisten weiblichen Zuschauer mit einem lauten Ja! ‘Bringin Back The Balls To Rock’ geht ungemein ab. ‘Devil Is A Loser’ - das wissen hier eh alle! Deswegen wird dazu auch ein Chor angestimmt.
Ein weiteres Highlight ist ‘They Only Come Out At Night’, bei dem die Band von einer Metal-Legende unterstützt wird. Als “The German Tank” angekündigt, steht Udo Dirkschneider (ACCEPT, U.D.O) in Uniform auf der Bühne und trägt einen nicht unerheblichen Teil dazu bei, dass diese verrückten Finnen nun langsam zum totalen Abräumer werden. Zum krönenden Abschluss des Festivals und der eigenen Show ertönt der Gewinner-Song des “Eurovision Song Contests 2006″: ‘Hard Rock Hallelujah’, der wohl größte Erfolg der Band, lässt das Publikum noch ein letztes Mal zur Höchstform auflaufen. Was für ein geniales Ende des Festivals! Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht und sichtlich erschöpft verlassen die Besucher langsam das Gelände. Dieser Auftritt war ganz großes Kino!
Zu guter Letzt sei an dieser Stelle, vorrausblickend auf das nächste Jahr, eine aktuelle Presseinformation des Veranstalters zitiert: Für das Wacken 2009 sind nur 24 Stunden nach Ende des diesjährigen Festivals bereits über 10.000 Karten verkauft.
Sie sind ihrem Wacken treu, die Metalfans.
Wir sehen uns 2009! See you in Wacken! Rain or Shine!
Euer Team der extrem und tanzbar