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Nachbericht - extrem und tanzbar Eventmagazin
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Nachbericht

Bericht 2011

Jedes Jahr am ersten Augustwochende ist es soweit, so auch wieder in diesem Jahr: Das kleine Örtchen Wacken mit seinen 1.800 Einwohnern öffnet seine Pforten für das größte Heavy Metal Festival der Welt, das Wacken Open Air. Dieses Jahr wurden wieder 75.000 Karten verkauft, dazu kamen die fast 11.000 Teilnehmer, bestehend aus Künstlern, Dienstleistern, Pressevertretern, VIPs, Rettungs- und Sicherheitskräften und den Bewohnern des beschaulichen Örtchens. Bereits am Mittwoch Nachmittag sind die Zeltplätze gut gefüllt, obwohl das Festival erst am Donnerstag offiziell eröffnet wird. Bei der Anreise tummeln sich schon die Metalheads auf den Bürgersteigen, in diversen Vorgärten von Anwohnern, sowie vor und in dem berühmten Edeka-Markt. Überall gibt es Bier, Grillgut, Döner, Brezeln, Süßigkeiten und sogar eine eigens hergestellte Wacken-Marmelade. Die Wackener Kinder bessern sich ihr Taschengeld auf, indem sie den Anreisenden mit ihren Bollerwagen das Gepäck oder die Einkäufe zum Gelände transportieren. Das Verkehrsleitsystem hat übrigens auch in diesem Jahr wieder prima geklappt. Es gab keine Staus und jeder kam ohne Stress auf seinen Platz.

Am Mittwoch um 15 Uhr gab es bereits eine tolle Show von der Band RUSSKAJA aus Russland im Bullhead City. Mit viel Elan versuchte Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria die Massen zu bewegen und tatsächlich: Trotz der russischen Texte war die Stimmung ausgelassen und das Bullhead war gut gefüllt.

Um 15 Uhr am Donnerstag öffnete das Infield endlich seine Tore. Nachdem um 16 Uhr SKYLINE, die Band von Veranstalter Thomas Jensen mit Gästen wie z.B. DORO das Festival offiziell eröffnet, entert ein mittlerweile nicht mehr als unpassend empfundener Gast die Black Stage. BÜLENT CEYLAN ist neben dem Wacken Open Air bereits auf dem Summer Breeze aufgetreten und ein mittlerweile gern gesehener Gast, der etwas Abwechslung in die Sache bringt. Wenn Ceylan sein mittlerweile schon bekanntes Programm abspult, wirkt es nicht zu routiniert. Im Gegenteil, der Komiker scheint sichtlich Spaß an diesem etwas anderen Auftritt zu haben.

Der Donnerstag ist ja auch bekannt als die „Night to Remember“, bei der zumeist einige richtige Legenden des Metals auftreten. Den Anfang machten dieses Jahr HELLOWEEN, ein deutsches Urgestein des Genres! Die Band benötigte leider zwei Anläufe, bis sie mit „Are you Metal?“ wirklich durchstarten konnten. Zweimal versagte die Technik, es wurde duster und für kurze Zeit war erstmal nichts mit Metal. Es wäre jedoch gelacht, wenn technische Probleme eine Band aufhalten würden und so konnte man wenig später dann wirklich Vollgas geben. Die Menge feierte „March of the Time“, „Keeper of the Seven Keys“ und andere Kracher, als gäbe es kein Morgen mehr.

Weit laufen mussten Melodiefans im Anschluss nicht, denn ein paar Meter weiter, auf der Black Stage, nahmen nach HELLOWEEN die Jungs von BLIND GUARDIAN die Power Metal Fans mit „Sacred Worlds“ und „Welcome to Dying“ in Empfang. Der Chor, der ihnen beim Refrain entgegen schallte, war absolut imposant, wie man ihn auch bei dieser riesigen Menge erwarten konnte. Sah man während des Gigs nach hinten, war eigentlich kein Ende in Sicht, bzw. es fiel fast schon schwer, zwischen der Menge vor und hinter dem Eingang zu unterscheiden. Richtig laut wurde der Publikumschor natürlich bei „Valhalla“, der mit nicht endend wollendem Eifer immer wieder „Valhalla – Deliverance, Why’ve you ever forgotten me“ zum Besten gab und beim „The Bard´s Song“ für ordentlich Gänsehaut sorgte. Die Band hätte quasi komplett ohne Sänger auskommen können, denn die Menge kannte jedes einzelne Wort, aber mal ehrlich, den Gesang möchte niemand wirklich missen. Mit „Mirror Mirror“ wurde schließlich ein formidabler Gig beendet, der definitiv als eines der Highlights durchgeht.

Doch jetzt soll DAS Konzert schlechthin an diesem Tag folgen. Letztes Jahr gab es Alice Cooper, in diesem Jahr OZZY OSBOURNE. Die feuerspeienden Nüstern des riesigen Wackenschädels läuten die besonderen Stunden ein. Und dann ist es soweit, unverkennbar watschelt Herr Osbourne höchstpersönlich auf die Bretter, was eigentlich an ein Wunder grenzt, bedenkt man doch die bewegten und nicht gerade harmlosen Jahre die hinter diesem Mann liegen.


Auch wenn er seine nicht mehr ganz so rosige Fitness bestens zu kaschieren weiß, so zeigt er doch, dass Hörgerät und Brille demnächst mal besorgt werden müssten. Immer wieder ruft er Sätze wie ”I can’t here you!” oder auch ”I can’t see you!”, was eigentlich der Motivation dienen soll, jedoch nach dem vierten mal hintereinander etwas merkwürdig wirkt. Der Show setzt er nach bereits drei Songs die Schaumkrone auf, unter der die ersten Reihen verschwinden, von der jedoch auch die fleißigen Securitys, sowie die Fotografen eine gehörige Ladung abbekommen. Doch auch der Meister selbst verpasst sich ein Krönchen. Irgendwann müssen Gitarrist Gus G und seine Instrumentbestückten Mitstreiter das Entertainment übernehmen, als Ozzy für einige Zeit hinter der Bühne verschwindet. Man kann sich nur vorstellen, wie ein Sani den Godfather of Metal mit einer Portion Sauerstoff versorgt. Aber mal beiseite mit den bösen Mutmaßungen: Von dieser Show können sich manche wahrlich noch eine Scheibe abschneiden.

Am Freitag um Punkt 12 Uhr haben sich zu ENSIFERUM mehr Fans vor der Black Stage eingefunden als erwartet. Der mitreißende Viking Metal gibt den Fans die ideale Gelegenheit, den Kater und die Müdigkeit einfach wegzubangen. Die Finnen sind anscheinend nicht verkatert und heizen die Fans nach Kräften an. Diese singen ordentlich mit. ENSIFERUM schaffen es immer noch, sich mit jedem Auftritt zu steigern; ihr Weg führt weiter steil nach oben.

SUICIDAL TENDENCIES haben an diesem Tag definitiv den Exotenbonus. Ihr Crossover Metal lockt dennoch viele Interessierte und Anhänger vor die Bühne, die vom Groove sofort gefangen genommen werden. Extrem stark und groovend zocken sich die Südkalifornier mit einem omnipräsentem Bass durch die folgenden 60 Minuten. Energieladen von Anfang bis Ende locken sie immer mehr Zuschauer in die Menge und zeigen, dass Thrash, Hardcore, Funk und Rap gut zusammen passen.

Dass eine Thrash-Legende wie SODOM solch einen frühen und relativ kurzen Slot erhält, ist die eine Sache. Dass sie mit solch einem matschigen Sound, der sich um 15:45 Uhr auf der True Metal Stage bietet, gesegnet wird, noch eine andere. Dieses schwerwiegende Problem bietet sich Herrn Angelripper samt seinen Mannen leider ab dem ersten Ton des eröffnenden ‘In War And Pieces’. Das Trio bemüht sich sichtlich, die Thrash-hungrige Meute mit Stücken wie ‘The Vice Of Killing’, ‘Outbreak Of Evil’, sowie dem unnachahmlichen ‘The Saw Is The Law’ zu bewegen, kann den Sound-Malus jedoch nicht ausgleichen. ‘I Am The War’, sowie ‘M-16′ gehen zwar tief ins Mark, ‘Agent Orange’ kann auch den einen oder anderen Nackenwirbel reizen und mit ‘Blasphemer’, sowie ‘Bombenhagel’ machen SODOM keine Gefangenen. Die massiven Soundprobleme, sowie der Wegfall DER SODOM-Hymne schlechthin, ‘Ausgebombt’, hinterlassen bei vielen Anwesenden einen faden Beigeschmack.

Noch bevor TRIVIUM am frühen Abend die True Metal Stage betreten haben, ziehen sie mittels des trist-dramatischen Klavierintros ‘Capsizing the Sea’ das Publikum mit düsterer Harmonie in ihren Bann. Mit dem Titelsong des just an diesem Tag erschienenen Albums ‘In Waves’ geht es dann brachial los.”Move your fucking ass!” – das lassen sich die Fans nicht zweimal sagen. Das Thrash/Death-Metal/Hardcore-Kollektiv aus Orlando/Florida geht sichtlich mit Spaß zu Werke, und das steckt an. Es folgen ‘A Gunshot To The Head Of Trepidation’ und ‘Dusk Dismantled’, bei dem die Band gesanglich lautstark vom Publikum unterstützt wird. Bei ‘The Deceived’ bilden sich die ersten Circlepits. Die Gitarrensoli sind klar, die Riffs brutal, die hymnischen Chorgesänge von Sänger Matthew und Bassist Paolo stimmig. Matt heizt dem Publikum – teils auf Deutsch – gutgelaunt ein. Den krönenden Abschluss bildet ‘Throes Of Perdition’ vom Album “Shogun”, bei dem die Menge dem Befehl “fucking explode!” sofort nachkommt. Dieser Auftritt hat einfach Spaß gemacht.

Richtig los geht es pünktlich um 20:45 Uhr, als Tausende erwartungsvoll auf den beeindruckenden “Epitaph”-Banner starren. Als die ersten Töne erklingen, der Banner niederfällt und die Briten mit ‘Rapid Fire’ zu ihrem mehr als zweistündigen Siegeszug ansetzen, merkt das Publikum, dass eine besondere Nacht und der in meinen Augen beste Headliner, den dieses Festival jemals sah, die Bühne entert. Niemand Geringeres als JUDAS PRIEST werden heute die Nostalgie und den Glanz der glorreichen Achtzigerjahre wieder beleben. Bereits zu Beginn wirkt “Metal God” Rob Halford stimmlich sehr gut in Form, obwohl er sich des Öfteren von den wahrlich hohen Tönen fernhält. Trotzdem merkt man ihm sein stattliches Alter nicht an und auch der Rest der Mannschaft hat sichtlich Spaß und feuert Brecher wie ‘Metal Gods’, ‘Heading Out To The Highway’ oder das exzellente ‘Judas Is Rising’ in die beeindruckte Menge. Downing-Ersatz Faulkner wirkt zu keiner Sekunde fehl am Platz und präsentiert sich als gleichwertiger Ersatz. Der Zauber, den Hits wie ‘Starbreaker’, ‘Victim Of Changes’ oder das sowohl balladesk, als auch rockig vorgetragene ‘Diamonds & Rust’ hervorrufen, ist greifbar und wird durch die Abbildungen entsprechender Coverartworks im Hintergrund nur verdeutlicht. Das Publikum kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie kurzweilig 42 Jahre purer Heavy-Metal sein kann. ‘Nostradamus’, ‘Night Crawler’, ‘Turbo Lover’ und ‘The Green Manalishi’ werden durch ein mystisches Bühnenlicht aus Lasern verzaubert und lassen jedem Anwesenden eine Gänsehaut aufkommen. Rob bedankt sich häufig und unterstreicht, welche Freude es für die Band ist, zum ersten Mal auf der Wacken-Bühne zu stehen. ‘Breaking The Law’ wird komplett vom Publikum gesungen, ‘Painkiller’ macht seinem Namen auch live alle Ehre und ‘Electric Eye’ hat in all den Jahren nichts von seinem Glanz verloren. Dass die Harley bei ‘Hell Bent For Leather’ nicht fehlen darf ist ebenso selbstverständlich, wie dieses glorreiche Set mit ‘You’ve Got Another Thing Comin” und ‘Living After Midnight’ zu beenden. Ein denkwürdiger, beinahe schon majestätischer Auftritt, bei dem die Briten ihren Legendenstatus mehr als gerecht werden.

Die Senkrechtstarter AIRBOURNE versammeln eine gewaltige Menge Leute vor der True Metal Stage. Mit ‘Raise The Flag’ und ‘Born To Kill’ startet eine amtliche Rock’n'Roll-Sause, bei der vorne weniger geschubst und mehr getanzt wird. Die vier Musiker feiern wie immer eine große Party auf der Bühne und weil Rampensau Joel O’Keeffe sich schlecht zu jedem einzelnen Becks-Bierstand tragen lassen kann, um dort ein Gitarrensolo zu spielen, klettert er einfach das Gerüst bis oben hoch. Die Fans jubeln jetzt noch mehr und feuern die Band weiter an. Mit ‘Bottom Of The Well’ bringen sie das vorläufige Highlight des Auftrittes, um anschließend mit ‘Cheap Wine & Cheaper Women’ und ‘Girls In Black’ das “schönere Geschlecht” zu besingen, das ausnahmsweise mal zahlreich vertreten ist. Spätestens bei ‘Too Much, Too Young, Too Fast’ singt auch der Letzte mit und mit ‘Stand Up For Rock’n'Roll’ erreicht die Feier den Zenit. Die Australier legen einen wie immer starken und anstachelnden Auftritt hin, bei dem sie eine gute Mischung ihrer beiden bisherigen Alben spielen.

SALTATIO MORTIS müssen sich im Gegensatz zu 2008 nicht mehr mit der Zeltbühne begnügen, sondern marschieren pünktlich auf der Party Stage zu ihrem einstündigen Auftritt zu später Stunde ein. Mit guter Laune und wie zu erwarten mit ‘Rastlos’ wird gleich richtig losgelegt. Der Sound ist ok, nur manchmal wirkt der Gesang etwas erdrückt. Es folgen drei weitere Stücke vom aktuellen Best Of “10 Jahre Wild und Frei” in gleicher Reihenfolge wie auf dem Album: ‘Tritt ein’, ‘Tod und Teufel’, ‘Wirf den Ersten Stein’. Ein gelungener Anfang. Weiter geht es mit ‘Uns Gehört die Welt’ und DEM Livesong der Band: ‘Till Eulenspiegel’. Die Masse hat sichtlich Spaß, auch bei den Mitsing-Spielen von ‘Wir Säen Den Wind’. Für das Duett ‘Salome’ kommt DORO PESCH auf die Bühne. Bei ‘Koma’ bringt das Hüpfen im Takt den Platz zum Beben. Danach folgen noch weitere fünf Stücke: ‘Das Kalte Herz’, ‘Manus manum lavat’, ‘Prometheus’, ‘Falsche Freunde’ und das flotte ‘Spielmannsschwur’. Am Ende ist Frontman Alea ähnlich außer Atem wie das Publikum. Leider gibt es keinen Song vom am 2. September erscheinenden Album “Sturm aufs Paradies” zu hören. Insgesamt aber ein äußerst sehenswerter Auftritt der Truppe.

Der erste lange Tag nähert sich dem Ende: Was mit ENSIFERUM zur Mittagsstunde begann, endet mit APOCALYPTICA um 2 Uhr morgens. Die Lichtshow ist mal wieder beeindruckend, lässt sie die drei Cellisten und den Schlagzeuger doch nur für wenige Sekunden erscheinen. Die Finnen geben viele METALLICA-Cover zum Besten – schließlich sind sie damit einst berühmt geworden. Die Band wirkt ausgeschlafen und bestens gelaunt und zieht das Publikum das ganze Konzert über in ihren Bann. Diese werden jedoch langsam müde und verlassen nach und nach während des Auftrittes das Festivalgelände. Schade! APOCALYPTICA muss man einfach früher auf die Bühne lassen.

Die verrückten Death Metaller aus Kanada, KATAKLYSM, locken am Samstag viele Metalheads vor die Bühne und laden zur Frühgymnastik ein. Mit ‘As I Slither’ fordert Maurizio zum “Security-Stresstest” auf, denn die Herren würden ja entsprechend geschult und bezahlt werden. Was folgt, dürfte wohl der Crowdsurf-Rekord des Festivals gewesen sein. Wahnsinn! Auch ‘Illuminati’ knallt erwartungsgemäß derbe, ‘Shadows And Dust’ und ‘Crippled And Broken’ machen auch keine Gefangenen und locken alle Reserven aus den Fans.

Die Schweden THE HAUNTED haben es sich zum Ziel gemacht, die letzten müden Besucher aufzuwecken, und probieren das gleich mal mit dem Opener ‘Never Better’ ihres aktuellen Albums “Unseen”. Heute greifen die Jungs aber hauptsächlich auf älteres Material zurück und spielen an neuen Stücken nur noch ‘Unseen’ und ‘No Ghost’. Sänger Peter Dolving macht zwischen den Liedern immer wieder ein paar Witze. Zum Beispiel behauptet er, die Veranstalter hätten eine Kleiderordnung eingeführt und jeder mit einem schwarzen Shirt müsse dieses am Einlass gegen ein fliederfarbenes eintauschen. THE HAUNTED legen sich mächtig ins Zeug und stecken damit auch ihre Fans an, die headbangen, die Hände in die Luft recken und ein bisschen Frühsport betreiben. Mit ‘Bury Your Dead’ verabschiedet sich das Quintett.

Wacken 2011 ist in vielen Hinsichten ein geschichtsträchtiges Ereignis. Einige Bands haben ihre letzte Show gespielt, andere haben sich wiedergefunden. So auch KNORKATOR. Sobald Stumpen im lila-farbigen Ganzkörperkondom wie ein lebendiger Flummi über die Bühne hüpft, Alf Ator in einer seltsamen, metallenen Kreiskonstruktionen seine Synthies spielt, Buzz wie immer scheinbar anteilnahmslos seine Riffs runter zockt und die ersten Töne von ‘Buchstabe’ erklingen, kann sich keiner mehr halten. Der Funke springt sofort über, der Platz vor der Party Stage gleicht einer einzig großen Tanzfläche. “Die meiste Band der Welt” bestand schon immer aus großartigen Entertainern, da darf ein Huckepack-Pogo genauso wenig fehlen wie die Aufforderung zum kollektiven Handstand. Stumpen, mittlerweile im blauen Bodysuit, kündigt für den September ein neues Album der “Boygroup KNORKATOR” an, worauf ein neuer Song namens “Refräng” zum Besten gegeben wird, der sogleich lauthals mitgesungen werden kann. ‘Ding inne Schnauze’ geht voll in die Selbige, ‘Wir werden’ macht zum Abschluss Hunger auf mehr. Willkommen zurück!

Schon im Vorfeld war klar, dass den Amis von ICED EARTH ein wohl sehr emotionaler Auftritt gutgeschrieben werden kann. Für deutsche Fans ist die folgende Stunde die letzte Gelegenheit, Ausnahmesänger Matt Barlow im Kreise seiner Musikerfreunde zu sehen. Mit ‘1776′, ‘Burning Times’, ‘Declaration Day’ und ‘I Died For You’ ist die Setliste der Power-Metaller um Bandchef Jon Schaffer mit Klassikern bespickt, die von der mehr als gut repräsentierten Fanschar dankbar angenommen wird. Barlow treibt das bunte Abschiedstreiben weiter mit ‘Jack’, ‘The Hunter’ und der “Something Wicked”-Trilogie an, ehe es am Ende äußerst gefühlsbetont wird. Als Jon seinem besten Freund für die wundervolle Zeit dankt, müssen auch einige im Publikum schlucken. Spätestens nachdem der den Tränen nahe Barlow mit lautstarken Sprechchören verabschiedet wird und sich bei allen Anwesenden bedankt, stellt sich eine dicke Gänsehaut auf. Diese wird zwar durch das abschließende ‘Iced Earth’ etwas beruhigt, dennoch hätte beispielsweise das sträflich vermisste ‘Melancholy (Holy Martyr)’ dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Sei’s drum, dieser Auftritt gehörte voll und ganz dem Rotschopf.

Bei SEPULTURA sorgt das Line-Up immer wieder für Gesprächsstoff. Bereits 1997 ging Frontman Max Cavalera, 2006 mit Igor Cavalera dann auch das zweite Gründungsmitglied. Das neuere Material geht zudem in eine deutlich andere Richtung als die Alben, die die Band zu einer Thrash-Ikone gemacht haben. Befürchtungen, dass an diesem Abend alte Fans gänzlich zu kurz kommen könnten, werden aber schnell zerstreut. Nach dem Live-Intro donnert ‘Arise’ der Menge mit einer Gewalt um die Ohren, dass es nur so eine Freude ist. Dabei ist der Sound weit besser, als es die veröffentlichen Videoaufnahmen vermuten lassen. Sänger Derrick Green geht mit enormer Energie zu Werke, aber auch die anderen Musiker wirken nicht gerade lethargisch. Die Stimmung springt sofort auf die Menge über, die zu alten Songs wie ‘Inner Self’ oder ‘Troops of Doom’ genauso feiert wie zu den neueren Titeln. Der Platz vor der Bühne gleicht über weite Strecken einem Hexenkessel. Vom neuen Album “Kairos” wird außer dem Titelsong nur ‘Relentless’ und ‘Just One Fix’ gespielt, so dass Zeit ist für einen Überblick über alle Schaffensperioden der Band. Mit jeweils einem Song sind “Dante XXI” (’Convicted in Life’), “Against” (’Choke’) und “A-Lex” (’What I Do!’) vertreten, “Chaos A.D.” mit zwei (’Refuse/Resist’, ‘Territory’). ‘Ratamahatta’ und ‘Roots Bloody Roots’ beschließen den einstündigen Gig, der mit seiner Wucht durchaus beeindruckt hat.

Die Metal-Oper AVANTASIA um EDGUY-Fronter Tobias Sammet bestreitet in Wacken ihren vorerst letzten Auftritt. Ob es ein Wiedersehen geben wird, ist ungewiss, die Zuschauer vor der Bühne daher umso zahlreicher. Zu ‘Twisted Mind’ kommt Sammet auf die Bühne, doch lange bleiben er und seine Musiker nicht allein: Jorn Lande von MASTERPLAN kommt für ‘The Scarecrow’, den Titeltrack des dritten Albums, und ‘Promised Land’ hinzu und unterstützt Tobi und die schöne Amanda Somerville am Gesang. Die gesamte Combo ist gut aufgelegt, lächelt immer wieder in die Kamera und beackert die gesamte Bühne und die kleine Brücke hinter dem Schlagzeug. So sind alle Akteure bestens zu sehen und können von überall rocken und die Fans anstacheln. Zu ‘The Story Ain’t Over’ ersetzt Bob Catley (MAGNUM) Jorn Lande, bei  ‘Reach Out For The Light’ und ‘Dying For An Angel’ übernimmt Michael Kiske(ex-HELLOWEEN) den Part des zweiten Sängers. Zu ‘Death Is Just A Feeling’ schwingt GAMMA RAY-Sänger Kai Hansen das Mikro. Alle Gastsänger sind in bester Stimmung und posen wie die Weltmeister mit Sammet und den übrigen Musikern auf der Bühne. Zum von Tobi als Wattebauschballade bezeichneten ‘Farewell’ tritt Amanda Somerville aus ihrem Schatten heraus und kommt nach vorne. Das Publikum jubelt bei jedem angekündigten Lied und feiert jeden Song. Während der Lieder singen viele mit oder versuchen, dem bunten Treiben auf der Bühne zu folgen. Sammet bedankt sich für die tolle Zeit und die großartigen Auftritte und kredenzt das Lied, mit dem alles angefangen hat: ‘Avantasia’. Danach kommen alle Gäste zum Doppelschlag ‘Sign Of The Cross’ / ‘The Seven Angels’ auf die Bühne. Tobi bittet noch einmal alle Fans, die Hände für das abschließende Foto in die Luft zu heben. Tschüss, AVANTASIA! Hoffentlich bis bald!

Kontinuität hat einen Namen: 1975 standen sie erstmals auf der Bühne, und schon zum sechsten Mal seit 1997 spielen die unermüdlichen MOTÖRHEAD heute auf dem WOA. Einmal mehr beginnt der Auftritt mit ‘Iron Fist’ und beinhaltet in erster Linie bekannte Hits wie ‘Metropolis’, ‘Rock Out’, ‘Ace of Spades’, ‘Overkill’ oder ‘Just ‘Cos You Got the Power’. Vom aktuellen Album “The Wörld Is Yours” gibt es nur ‘Get Back In Line’ und ‘I Know How To Die’ zu hören. Gitarrist Phil Campbell und Schlagzeuger Mikkey Dee steuern wie immer ihre technisch hervorragenden Soli bei. Leider ist der Ton ein wenig leise, dafür sorgt der ‘Bomber’-Bühnenaufbau gegen Ende für eine nette Lichtshow. Lemmy röhrt wie gewohnt und weicht vom üblichen Ablauf nur ab, als er sich dafür entschuldigt, dass die Fans im langsam einsetzenden Regen stehen müssen. Alle Songs werden routiniert gespielt, es gibt keine Überraschungen. MOTÖRHEAD sind aber auch ohne Überraschungen mit ihren soliden Auftritten immer wieder sehenswert.

Mag es dem einen oder anderen langsam zum Halse raushängen, den Abschied jedes zweiten Festivals mit SUBWAY TO SALLY feiern zu müssen. Abstreiten kann wohl kaum jemand, dass diese Truppe immer wieder aufs Neue das Blut zum Wallen, die Zunge zum Schwingen und das Beinchen zum Tänzeln bringt. Doch dieser Samstagabend steht - wie fast der gänzliche Festivalsommer - unter einem nassgrauen Fluch und so kommt es, dass es direkt vor der großen Abschiedssause mit den Folk-Metallern noch einmal heftig zu schütten beginnt.

Der Acker wirkt danach wie leer gefegt und so traurig sah es wohl seit Jahren um diese Zeit nicht mehr aus. Doch hier im Metal-Schlamm-Paradies halten es jetzt nur noch die Allerhärtesten aus. Belohnt werden diese mit einem Potpourri der besten SUBWAY TO SALLY Partyhits und einem Vorgeschmack auf die im September erscheinende neue Platte “Schwarz in Schwarz”: ‘Schwarzes Meer’ wird man bald genauso textsicher mitsingen können wie ‘Kleid aus Rosen’ oder ‘Henkersbraut’; daran hat Eric Fish überhaupt keine Zweifel. Bespaßt werden wir weiterhin mit mittelalterlichen Klängen, funkelnden Feuerwerken, ‘kleine(n) Schwester(n)’ und Folklore satt.

Doch während man sich im weiteren Verlauf des Konzertes, welches sich dank der Kälte leider ganz schön in die Länge zieht, nur noch an Pyros und ‘Veitsta(ä)nz(en)’ aufwärmt, steigt eine deprimierende Stimmung auf. Schon wieder ist ein Wacken Open Air zu Ende und schon wieder gleicht in diesem Jahr ein Festival einer Schlammlandschaft. Doch nach dem Wacken ist bekanntlich vor dem Wacken. Also Regenwolken wegblasen, auf in die Schlacht und see you next year, Metalheads!